WISSENSCHAFTLICHE VERÖFFENTLICHUNGEN

Zur Identität des gruppenanalytischen Supervisors und Organisationsberaters

In acht Thesen wird die Identitätsarbeit beschrieben und diskutiert, die Gruppenanalytikerinnen und Gruppenanalytiker im zurückliegenden Jahrzehnt geleistet haben und weiter leisten müssen. Dabei wird die Tradition gruppenanalytischer Institutionsanalyse in der Therapeutischen Gemeinschaft aufgegriffen, mit Professionsentwicklung des letzten Jahrzehnts verknüpft und die gesellschaftlich getragene „Grundmatrix“ beschrieben, die den Hintergrund dieser dynamischen Prozesse darstellt. Gruppenanalytiker, die Supervision und Beratung in Organisationen durchführen, müssen – so eine These – den gruppenanalytischen Kern ihrer Arbeit (die gruppenanalytische Grundhaltung) pflegen und zugleich Fremdes, aus anderen Konzepten Stammendes aufnehmen und integrieren.

Psychodynamische Grundhaltung in der Gemeindepsychiatrie

Ausgehend von eigenen Erfahrungen als Psychiater und Psychotherapeut im Sozialpsychia-trischen Dienst (SPsD) einer norddeutschen Großstadt arbeite ich hier die „Bausteine“ einer psychodynamischen Grundhaltung in der Gemeindepsychiatrie heraus. Sie betreffen die Kontaktaufnahme; die haltende Beziehung; die Kooperation mit Angehörigen; die Vernetzung  der Professionellen im Sektor; das bifokale Arbeiten; das Verstehen verborgener Sinnhaftigkeit, insbesondere das unbewußter Konflikte; die Arbeit in und mit partieller gegenseitiger Ver- strickung; den handelnden Umgang; die Arbeit mit dem Rahmen; die Entwicklungsförderung durch Therapie und die Bearbeitung von Größenphantasien der Therapeuten („gut genug sein“). - Zur Veranschaulichung dient eine ausführliche Kasuistik (Behandlung eines Patienten mit narzißtischer Persönlichkeitsstörung auf Borderline-Niveau, siehe auch: „Winnicott“).

Von der Psychiatrie zur Psychoanalyse

Hier referiere ich Winnicotts Konzepte der antisozialen Tendenz und der Charakterstörung sowie die wesentlichen Grundsätze der darauf aufbauenden Behandlungskonzeption Winnicotts und veranschauliche anhand einer ausführlichen Kasuistik (mehrjährige Behandlung eines Patienten mit Narzißtischer Persönlichkeitsstörung auf Borderline-Niveau) die „Wiederentdeckung“ der Winnicott‘schen Konzepte in der psychotherapeutischen Praxis. Anschließend wird skizziert, wie empirische Befunde der Psychotherapieforschung nach Winnicott wesentliche Aspekte von dessen Behandlungspraxis bestätigen und wie zeitgenössische Psychoanalytiker in ihren inter-subjektiven Konzeptionen des psychoanalytischen Prozesses von Winnicott beeinflußt sind und ihn weiter entwickeln. Am Schluß wende ich mich noch einmal der Kasuistik zu und diskutiere, welcher Anteil am Behandlungsprozeß der eigenen „Identitätsarbeit“ als Psychoanalytiker in Ausbildung zukommen könnte. Hier klingt an, wie Patient und Therapeut den Möglichkeitsraum des psychoanalytischen Prozesses in einer intersubjektiven Verschränkung miteinander schaffen, aufrecht erhalten und weiter entwickeln (siehe auch: „Gemeindepsychiatrie“) .

Buchbesprechung

Die hier vorliegende detallierte Buchbesprechung wurde kürzlich veröffentlicht. Es handelt sich um ein Themenschwerpunktheft zur Traumabehandlung in Gruppen. – Die Rezension gilt der Untersuchung „Verletzte Helfer“ von Christian Pross. Obwohl diese Buchveröffentlichung auf Helfer in Behandlungszentren für Traumaopofer fokussiert, sind zahlreiche Thesen des Buch- autors (und die Grundgedanken des Rezensenten) auf soziale und psychosoziale Felder insgesamt bzw. auf die dort engagierten Professionellen anzuwenden.